301-Weiterleitungen: alte Adressen ohne Verlust umziehen

Stand 22. Oktober 2026 · 4 Min Lesezeit · von Marco Schulz

Eine 301-Weiterleitung sagt Browser und Suchmaschine, dass eine Adresse dauerhaft an eine neue Stelle gezogen ist. Google überträgt dann die Signale der alten Adresse auf die neue und tauscht sie im Index aus. Eine 302 bedeutet dagegen «vorübergehend» und gehört nur zu Aktionen, die wieder enden. Wer Adressen ändert, Seiten zusammenlegt oder die Website neu baut, braucht für jede alte Adresse eine 301 auf die passende neue Seite, ohne Ketten und nicht pauschal auf die Startseite.

Jede Adresse, die einmal bei Google stand, hat einen Wert: Sie ist indexiert, vielleicht verlinkt, vielleicht in Lesezeichen gespeichert. Wer sie ändert, ohne weiterzuleiten, wirft diesen Wert weg und zeigt Besuchern eine Fehlerseite. Die 301-Weiterleitung ist das Werkzeug, mit dem der Wert mitzieht.

301, 302, 307, 308: welche wann

Eine Weiterleitung ist eine Antwort des Servers: «Die Seite ist nicht hier, geh dorthin.» Der Statuscode sagt, ob das dauerhaft ist.

CodeBedeutungGoogleEinsatz
301Dauerhaft verschobenTauscht die alte Adresse im Index gegen die neue aus, überträgt SignaleAdresse geändert, Seiten zusammengelegt, Domainwechsel, http auf https, www-Variante
308Dauerhaft verschoben, Anfrageart bleibtWie 301Dasselbe; Standard bei Vercel und manchen Hostern
302VorübergehendBehält die alte Adresse im IndexAktionsseite für zwei Wochen, Wartungsseite, A/B-Test
307Vorübergehend, Anfrageart bleibtWie 302Dasselbe

Die Faustregel: Wenn die alte Adresse nie wieder gebraucht wird, 301. Wenn sie in absehbarer Zeit zurückkommt, 302. Der häufigste Fehler ist eine 302 für einen dauerhaften Umzug, weil das Plugin oder der Hoster sie als Standard setzt. Google dokumentiert, dass es lang bestehende 302-Weiterleitungen irgendwann wie dauerhafte behandelt, aber darauf sollten Sie sich nicht verlassen.

Wann Sie weiterleiten müssen

  • Die Adresse eines Beitrags ändert sich, etwa weil der Titel angepasst wurde.
  • Zwei Seiten werden zu einer zusammengelegt, zum Beispiel bei doppelten Inhalten.
  • Eine Seite wird gelöscht und hat einen inhaltlichen Nachfolger.
  • Die Website zieht auf eine neue Domain oder von http auf https.
  • Die Schreibweise mit oder ohne www wird vereinheitlicht; die andere Variante leitet weiter.
  • Beim Relaunch ändert sich die Struktur, etwa von /blog/2023/05/titel/ auf /ratgeber/titel/.

Weiterleitung und Canonical-Tag ergänzen sich: Die Weiterleitung sorgt dafür, dass nur eine Adresse erreichbar ist, der Canonical sichert ab, falls doch eine Variante durchrutscht.

Ketten und Schleifen vermeiden

Eine Kette entsteht, wenn A auf B weiterleitet und B später auf C. Nach einem zweiten Relaunch sind drei oder vier Stufen keine Seltenheit. Google folgt laut Dokumentation bis zu zehn Weiterleitungen in Folge, aber jede Stufe kostet Zeit, und bei langen Ketten bricht der Crawler ab. Besucher merken es an der Ladezeit. Deshalb:

  • Bei jeder neuen Weiterleitung prüfen, ob die alte Adresse selbst schon Ziel einer Weiterleitung ist. Wenn ja, die ältere direkt auf das neue Ziel setzen: A auf C statt A auf B auf C.
  • Vor einem Relaunch die bestehende Weiterleitungsliste exportieren und alle Ziele auf die neuen Adressen aktualisieren.
  • Schleifen (A auf B, B auf A) entstehen meist durch Regeln für www oder https, die sich gegenseitig auslösen. Die Seite lädt dann gar nicht mehr; ein Aufruf im Browser zeigt das sofort.

Der Relaunch in Kürze

Ein Relaunch ist der Moment, in dem die meisten Weiterleitungen fehlen. Der Minimalplan:

  1. Vor dem Umbau alle bestehenden Adressen exportieren, aus der Sitemap und aus dem Leistungsbericht der Search Console.
  2. Für jede alte Adresse die neue Entsprechung in einer Tabelle festhalten, eins zu eins. Keine pauschale Weiterleitung auf die Startseite.
  3. Weiterleitungen vor dem Livegang einrichten und auf der Testumgebung prüfen.
  4. Nach dem Livegang die zwanzig wichtigsten alten Adressen von Hand aufrufen.
  5. Sitemap neu einreichen, nur mit neuen Adressen.

Die vollständige Checkliste mit allem, was sonst noch zu prüfen ist, steht unter Website-Relaunch ohne Sichtbarkeitsverlust.

Einrichten: WordPress und Vercel

In WordPress gibt es zwei Wege. Erstens ein Weiterleitungs-Plugin, das pro Eintrag alte und neue Adresse entgegennimmt und bei Änderung einer Beitragsadresse oft automatisch eine Weiterleitung anlegt. Zweitens die Datei .htaccess auf dem Server (bei Apache), eine Zeile pro Weiterleitung:

Redirect 301 /alter-beitrag/ https://www.beispiel.ch/neuer-beitrag/

Bei Websites auf Vercel steht die Regel in der Datei vercel.json im Projekt:

{ "redirects": [ { "source": "/alter-beitrag", "destination": "/neuer-beitrag", "permanent": true } ] }

Mit permanent: true antwortet Vercel mit 308, was Google wie eine 301 behandelt. Bei Wix und Shopify finden Sie Weiterleitungen in den SEO-Einstellungen als einfache Liste alt zu neu.

Prüfung

  • Im Browser die alte Adresse aufrufen: Landet man auf der richtigen neuen Seite, ohne Zwischenstopp?
  • Im Terminal mit curl -I https://www.beispiel.ch/alter-beitrag/ den Statuscode lesen: 301 oder 308 und in der Zeile «location» das richtige Ziel. Zeigt das Ziel selbst wieder einen 301, haben Sie eine Kette.
  • In der Search Console die URL-Prüfung auf die alte Adresse ausführen: Sie sollte als «Seite mit Weiterleitung» erscheinen. Im Bericht «Seiten» sollten nach einigen Wochen keine 404-Einträge für die alten Adressen mehr auftauchen.
  • Interne Links auf die neuen Adressen umstellen, damit nicht jeder Klick über die Weiterleitung läuft.

Was Sie daraus machen

Führen Sie eine Tabelle aller Weiterleitungen, mit Datum und Grund. Bei jeder Adressänderung ein Eintrag, bei jedem Relaunch ein Abgleich. Und prüfen Sie einmal im Jahr mit der Search Console, ob 404-Fehler für Adressen auftauchen, die einmal Besucher hatten: Jede davon ist eine fehlende Weiterleitung.

Häufige Fragen

Verliert eine Seite durch eine 301-Weiterleitung Ranking?

Google hat erklärt, dass bei einer 301 keine Signale verloren gehen, wenn das Ziel inhaltlich entspricht. In der Praxis kann es trotzdem Wochen dauern, bis die neue Adresse die alte Position erreicht, weil Google die Signale erst neu zuordnen muss. Verluste entstehen vor allem, wenn das Ziel nicht passt oder die Weiterleitung fehlt.

Wie lange muss eine Weiterleitung bestehen bleiben?

Google empfiehlt für Website-Umzüge, die Weiterleitungen mindestens ein Jahr zu halten. Besser ist dauerhaft, weil externe Links auf die alte Adresse nie aktualisiert werden. Weiterleitungen kosten nichts, löschen Sie sie nur, wenn Sie sicher sind, dass nichts mehr darauf zeigt.

Was ist der Unterschied zwischen 301 und 308?

Beide bedeuten dauerhaft. 308 schreibt zusätzlich vor, dass die Anfrageart erhalten bleibt, was bei Formularen eine Rolle spielt. Für Google sind beide gleichwertig; Vercel und andere Plattformen setzen für dauerhafte Weiterleitungen standardmässig 308. Sie müssen nichts umstellen.

Soll ich gelöschte Seiten auf die Startseite weiterleiten?

Nein. Google behandelt Weiterleitungen, deren Ziel nichts mit der alten Seite zu tun hat, oft wie einen 404. Leiten Sie auf die thematisch nächste Seite weiter: den Nachfolgebeitrag, die passende Leistungsseite, die Kategorie. Gibt es nichts Passendes, ist ein ehrlicher 404 besser als eine irreführende Weiterleitung.

Quellen

Marco Schulz · Gründer BlogPilot, Kreuzlingen · schreibt seit 2023 über Sichtbarkeit in Google und KI-Suche

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