Welche Seiten eine KMU-Website braucht, damit sie gefunden wird

Stand 22. Oktober 2026 · 4 Min Lesezeit · von Marco Schulz

Eine KMU-Website braucht sechs Seitentypen: eine Startseite, eine eigene Seite pro Leistung, eine Über-uns-Seite mit echten Personen, eine Kontakt- oder Standortseite mit Adresse, die rechtlichen Pflichtseiten und einen Bereich für Antworten auf Kundenfragen, meist als Blog. Google ordnet jeder Seite eine Suchabsicht zu. Eine Website, die alle Leistungen auf einer einzigen Seite zusammenfasst, kann für keine davon gut ranken.

Die Frage «Welche Seiten braucht meine Website?» beantworten Agenturen gern mit einem Angebot über zwanzig Seiten und Baukästen mit einer Vorlage, die alles auf eine Seite packt. Beides geht am Kern vorbei. Google ordnet jeder Seite eine Suchabsicht zu: Wonach hat jemand gesucht, wenn diese Seite die richtige Antwort ist? Eine Website wird gefunden, wenn sie für jede relevante Suchabsicht genau eine Seite hat. Daraus ergeben sich sechs Seitentypen.

Die sechs Seitentypen

1. Startseite. Sie beantwortet in drei Sekunden: Wer sind Sie, was tun Sie, für wen, wo? Sie rankt in der Regel nur für den Firmennamen und für die allgemeinste Suche nach der Branche plus Ort. Von hier führen Links zu allen Leistungen.

2. Eine Leistungsseite pro Angebot. Das ist der wichtigste Seitentyp und der am häufigsten fehlende. Wer «Fassadenanstrich» sucht, will eine Seite über Fassadenanstriche, nicht eine Seite «Unsere Leistungen» mit sechs Absätzen zu allem. Jede Leistung bekommt eine Adresse, einen Seitentitel, eine Beschreibung des Ablaufs, Preisspannen, wenn möglich, ein bis zwei Beispielprojekte und einen nächsten Schritt.

3. Über uns. Für Google ein Vertrauenssignal, für Kunden die Seite, die sie vor dem Anruf lesen. Echte Namen, echte Fotos, Gründungsjahr, Qualifikationen, Handelsregistereintrag. Keine Stockfotos lachender Menschen.

4. Kontakt und Standort. Adresse, Telefon, Mail, Öffnungszeiten, Anfahrt, Einzugsgebiet, Karte. Diese Seite trägt das LocalBusiness-Markup, das Google in seiner Dokumentation beschreibt, und ist im Unternehmensprofil als Website hinterlegt. Bei mehreren Standorten gibt es eine Seite pro Standort.

5. Rechtliche Pflichtseiten. Impressum und Datenschutzerklärung. Was in der Schweiz genau verlangt ist, hängt vom Angebot ab und gehört von einer Fachperson geprüft. Für den Blog und die Statistik finden Sie die Grundlagen unter Datenschutz im Firmenblog.

6. Antworten auf Kundenfragen. Hier liegt der Unterschied zwischen einer Website, die existiert, und einer, die gefunden wird. Kunden suchen vor der Anfrage nach Fragen: Kosten, Dauer, Vergleich, Ablauf, Fehler. Jede dieser Fragen bekommt eine eigene Seite. Technisch ist das meist der Blog, inhaltlich sind es Antwortseiten. Wie solche Seiten aufgebaut sind, steht unter Antwortseiten aufbauen.

Beispielstruktur: ein Malerbetrieb

Ein fiktiver Malerbetrieb mit zwölf Mitarbeitenden im Thurgau. Die Struktur umfasst zwölf feste Seiten und einen wachsenden Blog.

SeiteAdresseSuchabsicht, die sie bedient
Startseite/«Maler Frauenfeld», Firmenname
Fassadenanstrich/fassadenanstrich/«Fassade streichen lassen», «Fassadenanstrich Kosten»
Innenanstrich/innenanstrich/«Wohnung streichen lassen», «Maler Innenräume»
Tapezieren/tapezieren/«Tapezierer», «Tapete anbringen lassen»
Spachteltechnik/spachteltechnik/«Spachteltechnik Wand», «Betonoptik Wand»
Holzschutz aussen/holzschutz/«Holzfassade streichen», «Fensterläden lackieren»
Referenzen/projekte/«Maler Referenzen», Vertrauen vor der Anfrage
Über uns/ueber-uns/Firmenname + Team, Vertrauen
Kontakt und Standort/kontakt/«Maler in der Nähe», Adresse, Anfahrt
Preise/preise/«Was kostet ein Maler pro Stunde»
Impressum, Datenschutz/impressum/, /datenschutz/Pflicht
Blog/blog/Alle Fragen vor der Entscheidung

Im Blog erscheinen dann die Antwortseiten: «Fassade streichen: was kostet es pro Quadratmeter?», «Wie lange muss die Fassade nach dem Anstrich trocknen?», «Welche Farbe für Feuchträume?», «Streichen oder tapezieren: was hält länger?». Jeder Beitrag verlinkt die passende Leistungsseite, und die Leistungsseite verlinkt die drei wichtigsten Beiträge zurück. So entsteht ein Themencluster, wie unter Themencluster aufbauen beschrieben.

Der Fehler: alles auf einer Seite

Die häufigste Struktur bei kleinen Betrieben ist der One-Pager: Start, Leistungen, Team, Kontakt, alles untereinander auf einer Adresse. Für Besucher, die den Betrieb schon kennen, funktioniert das. Für Google nicht, aus drei Gründen:

  • Die Seite hat einen Seitentitel. Der kann «Maler Frauenfeld» heissen oder «Fassadenanstrich Thurgau», aber nicht beides.
  • Google ordnet der Seite eine Hauptabsicht zu. Fünf Leistungen auf einer Seite sind fünf Absichten, und keine davon wird vollständig bedient.
  • Es gibt keine Adresse, auf die ein Blogbeitrag oder eine andere Website gezielt verlinken könnte.

Die Umstellung ist weniger Arbeit, als sie klingt: Jeder Abschnitt des One-Pagers wird zu einer eigenen Seite mit eigenem Titel, die Startseite behält eine Zusammenfassung mit Links. Warum die gleiche Frage je nach Absicht verschiedene Seiten braucht, erklärt Suchintention verstehen.

Was Sie weglassen können

Nicht jede Seite, die eine Vorlage vorschlägt, braucht ein KMU. Eine Seite «News» ohne Pflege schadet mehr, als sie nützt, weil der letzte Eintrag von 2021 die Website verlassen wirken lässt. Eine Seite «Philosophie» oder «Werte» liest niemand und sucht niemand. Eine Galerie ohne Text ist für Google unsichtbar. Partnerlogos, Zertifikate und Mitgliedschaften gehören auf die Über-uns-Seite, nicht auf eigene Seiten.

Die Reihenfolge beim Aufbau

Wenn die Website neu entsteht oder umgebaut wird, gilt diese Reihenfolge: zuerst Kontakt und Über uns, weil sie Vertrauen schaffen und das Unternehmensprofil brauchen sie. Dann eine Leistungsseite pro Angebot, beginnend mit der Leistung, die am meisten Umsatz bringt. Dann die Startseite als Verteiler. Dann die ersten zehn Antwortseiten zu den Fragen, die Kunden am Telefon stellen. Wer die Website von Grund auf neu bauen lässt, findet unter Webdesign mit KI, wie eine solche Struktur von Anfang an angelegt wird.

Häufige Fragen

Wie viele Seiten sollte eine KMU-Website haben?

So viele, wie es unterschiedliche Fragen und Leistungen gibt, und nicht mehr. Ein Malerbetrieb mit fünf Leistungen braucht etwa zwölf feste Seiten plus Blog. Hundert Seiten mit dünnem Inhalt sind schlechter als zwölf mit Substanz, weil Google die Website als Ganzes bewertet.

Reicht ein One-Pager für ein kleines Unternehmen?

Für die Visitenkarte im Netz ja, zum Gefundenwerden nein. Ein One-Pager kann nur für den Firmennamen ranken, weil er für Google ein einziges Thema hat. Sobald Kunden nach einer Leistung suchen, braucht diese Leistung eine eigene Seite mit eigener Adresse und eigenem Seitentitel.

Gehören die Preise auf eine eigene Seite?

Wenn Sie Preise nennen können, ja, oder zumindest Preisspannen auf der jeweiligen Leistungsseite. Preisfragen gehören zu den meistgesuchten Fragen vor einer Anfrage. Wer keine Preise nennt, überlässt die Suchenden dem Mitbewerber, der es tut.

Brauche ich eine separate Seite für jeden Ort, in dem ich arbeite?

Nein, nur für Orte mit echtem Standort. Für das Einzugsgebiet reicht die Nennung auf der Standortseite und in Blogbeiträgen über konkrete Projekte. Künstliche Ortsseiten ohne eigenen Inhalt wertet Google als Doorway Pages.

Quellen

Marco Schulz · Gründer BlogPilot, Kreuzlingen · schreibt seit 2023 über Sichtbarkeit in Google und KI-Suche

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