Hilfreiche Inhalte: was Google unter «für Menschen geschrieben» versteht

Stand 22. Oktober 2026 · 4 Min Lesezeit · von Marco Schulz

Mit «hilfreiche Inhalte» meint Google Texte, die für Leser geschrieben sind und nicht für den Algorithmus: Sie beantworten eine konkrete Frage vollständig, stammen von jemandem mit erkennbarer Erfahrung und lassen den Leser zufrieden zurück, ohne dass er weitersuchen muss. Google stellt dazu in seiner Dokumentation eine Liste von Prüffragen bereit. Seit 2024 ist diese Bewertung Teil des normalen Rankingsystems, nicht mehr ein eigenes Update.

Google wiederholt seit Jahren denselben Satz: Schreiben Sie für Menschen, nicht für Suchmaschinen. Der Satz klingt gut und hilft wenig, weil jeder Autor überzeugt ist, genau das zu tun. Konkreter wird es in der Dokumentation, in der Google eine Reihe von Fragen aufführt, mit denen man die eigenen Inhalte prüfen soll. Diese Fragen sind der eigentliche Massstab. Hier sind sie in Alltagssprache, mit Beispielen aus KMU-Websites.

Woher der Begriff kommt

Im August 2022 kündigte Google das «Helpful Content Update» an, ein System, das Websites mit viel wenig hilfreichem Inhalt im Ranking zurückstufen sollte. Im März 2024 hat Google dieses System laut eigener Ankündigung in das Kern-Rankingsystem überführt. Seither gibt es kein separates Update mehr, aber die Kriterien gelten bei jedem Core Update. Für Betriebe heisst das: Es gibt keinen Termin, auf den man sich vorbereiten könnte. Die Prüfung läuft dauernd.

Googles Prüffragen in Alltagssprache

Google formuliert die Fragen in der Dokumentation zu hilfreichen Inhalten. Sinngemäss übersetzt lauten die wichtigsten:

  • Hat die Seite eine erkennbare Zielgruppe, die diesen Inhalt tatsächlich braucht? Oder haben Sie das Thema gewählt, weil Sie glauben, dass es Traffic bringt?
  • Zeigt der Text Erfahrung aus erster Hand? Haben Sie das Produkt genutzt, die Dienstleistung erbracht, den Ort besucht?
  • Hat die Website einen Schwerpunkt? Oder schreiben Sie über alles, was gerade gesucht wird?
  • Hat der Leser nach dem Lesen, was er wollte? Oder muss er weitersuchen, weil die Seite die Frage nur anreisst?
  • Würden Sie diesen Text einem Freund empfehlen oder in einem Fachbuch erwarten?
  • Haben Sie den Text geschrieben, weil Sie etwas zu sagen haben, oder weil die Suchmaschine Inhalt erwartet?
  • Versprechen Titel und Einleitung etwas, das der Text hält? Oder ist die Überschrift reisserischer als der Inhalt?
  • Fassen Sie zusammen, was andere gesagt haben, ohne etwas Eigenes beizutragen?
  • Schreiben Sie eine bestimmte Wortzahl, weil Sie gelesen haben, dass Google sie bevorzugt? Google sagt ausdrücklich, dass es keine bevorzugte Wortzahl gibt.

Jede dieser Fragen lässt sich für einen Blogbeitrag in dreissig Sekunden beantworten. Wer bei mehr als zwei davon ins Stocken gerät, hat vermutlich einen Text, der für den Algorithmus geschrieben wurde.

E-E-A-T in drei Sätzen

Google nennt in den Richtlinien für seine Qualitätsprüfer vier Eigenschaften, die hilfreiche Inhalte ausmachen: Erfahrung (Experience), Fachwissen (Expertise), Autorität (Authoritativeness) und Vertrauenswürdigkeit (Trustworthiness). Das ist kein Rankingfaktor, den man einstellen kann, sondern eine Beschreibung dessen, was Google messen will. Für ein KMU heisst es: Der Text soll erkennen lassen, dass jemand mit Praxis dahintersteht, und die Website soll zeigen, wer dieser Jemand ist. Mehr dazu im Glossar zu E-E-A-T.

Beispiele: derselbe Inhalt, zweimal geschrieben

Das Thema «Wärmepumpe im Altbau» auf der Website eines Heizungsbetriebs.

Nicht hilfreich:

Wärmepumpen sind eine moderne und umweltfreundliche Heizlösung, die auch im Altbau immer beliebter wird. Es gibt verschiedene Arten von Wärmepumpen, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben. Ob eine Wärmepumpe für Ihren Altbau geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Der Absatz sagt nichts, was der Leser nicht schon wusste. Er zeigt keine Erfahrung, beantwortet die Frage nicht und endet mit einer Aufforderung, die den Leser dazu zwingt, anzurufen, um das zu erfahren, was auf der Seite hätte stehen sollen.

Hilfreich:

Ob eine Wärmepumpe im Altbau reicht, hängt zuerst von der Vorlauftemperatur ab: Braucht die bestehende Heizung an kalten Tagen über 55 Grad, kommt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe an ihre Grenze. Wir messen das bei einem Vorgespräch an einem kalten Tag direkt am Heizkessel. In etwa der Hälfte der Altbauten, die wir in den letzten Jahren umgerüstet haben, reichte es, die Heizkörper in zwei bis drei Räumen zu vergrössern. Eine Fussbodenheizung ist keine Voraussetzung.

Dieser Absatz nennt ein konkretes Kriterium, beschreibt, wie der Betrieb es prüft, und gibt eine Einschätzung aus eigener Erfahrung, die so nur dieser Betrieb geben kann. Der Leser weiss nach dem Lesen mehr als vorher.

Noch ein Beispiel, Thema «Wie lange dauert eine Steuererklärung» auf der Website eines Treuhandbüros.

Nicht hilfreich: «Die Dauer einer Steuererklärung hängt von der Komplexität Ihrer Situation ab. Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Einschätzung.»

Hilfreich: «Für eine unselbständig erwerbende Person ohne Liegenschaft brauchen wir nach Eingang aller Unterlagen zwei bis drei Arbeitstage. Mit Liegenschaft und Wertschriftendepot sind es fünf bis zehn. Am meisten Zeit kostet erfahrungsgemäss nicht die Erklärung, sondern das Nachfordern fehlender Belege, deshalb schicken wir vorab eine Checkliste.»

Was das für den Blog bedeutet

Die Prüffragen sind der Grund, warum ein Firmenblog mit zwanzig Beiträgen zu Fragen, die Kunden tatsächlich stellen, mehr bringt als hundert Beiträge zu allem, was in der Branche gerade Thema ist. Wo die Grenze zu massenhaft produzierten Inhalten liegt, beschreibt die Seite zu Scaled Content Abuse. Ob ein Text von einem Menschen oder einem Sprachmodell stammt, spielt für Google laut Dokumentation keine Rolle; mehr dazu unter Wird KI-Text von Google abgestraft?. Entscheidend ist, ob jemand mit Praxiswissen die Fragen des Lesers kennt und die Antworten geprüft hat.

Für ein KMU, das mit KI schreibt, folgt daraus eine Arbeitsteilung: Das Werkzeug liefert Struktur und Entwurf, der Betrieb liefert die Erfahrung, also das Kriterium, die Messung, die Zahl aus dem eigenen Alltag. Fehlt dieser Teil, entsteht genau der erste Absatz aus dem Wärmepumpen-Beispiel. Ein Blogsystem wie BlogPilot stellt deshalb jeden Beitrag zur Freigabe, damit die Fachperson im Betrieb vor der Veröffentlichung ergänzen kann, was nur sie weiss.

Häufige Fragen

Gibt es das Helpful Content Update noch?

Als eigenes System nicht mehr. Google hat 2022 ein separates «Helpful Content System» eingeführt und es laut eigener Ankündigung im März 2024 in das Kern-Rankingsystem integriert. Die Kriterien gelten weiter, sie werden nur nicht mehr als einzelnes Update ausgerollt.

Bewertet Google hilfreiche Inhalte pro Seite oder pro Website?

Beides. Google schreibt, dass die Signale auf Seitenebene wirken, aber auch die Website als Ganzes berücksichtigt wird. Eine Website mit vielen dünnen Seiten kann also auch ihre guten Seiten ausbremsen. Deshalb lohnt es sich, schwache Seiten zusammenzulegen oder zu löschen.

Zählt ein KI-geschriebener Text als nicht hilfreich?

Nicht automatisch. Google bewertet laut Dokumentation die Qualität des Inhalts, nicht das Werkzeug. Ein KI-Text, der eine Frage mit echter Substanz beantwortet und geprüft wurde, kann hilfreich sein. Ein Text, der nur Allgemeinplätze aneinanderreiht, ist es nicht, egal wer ihn geschrieben hat.

Wie merke ich, ob meine Seite als nicht hilfreich eingestuft wurde?

Google sendet keine Meldung. Ein Hinweis ist ein breiter Rückgang der Impressionen in der Search Console über viele Seiten hinweg, der mit einem angekündigten Core Update zusammenfällt. Google nennt die Daten der Updates in seiner Liste der Ranking-Updates.

Quellen

Marco Schulz · Gründer BlogPilot, Kreuzlingen · schreibt seit 2023 über Sichtbarkeit in Google und KI-Suche

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