Bestraft Google Texte, die mit KI geschrieben wurden?

Nein. Google bewertet nicht, wie ein Text entstanden ist, sondern ob er jemandem weiterhilft. Abgewertet wird dünner, austauschbarer Inhalt, der vor allem für Rankings produziert wurde, und zwar unabhängig davon, ob ihn ein Mensch oder eine Maschine geschrieben hat. Das Risiko liegt also nicht im Werkzeug, sondern darin, wie schnell sich damit Masse ohne Substanz herstellen lässt.

Was Google tatsächlich sagt

Googles Position ist seit Februar 2023 öffentlich und hat sich seither nicht geändert: Automatisierung an sich ist kein Verstoss, entscheidend ist die Qualität des Ergebnisses. Die Kriterien dafür stehen in den Helpful-Content-Richtlinien, die 2024 in das Kern-Ranking übernommen wurden, und in den Spam-Richtlinien.

Dort findet sich der eigentlich relevante Punkt. Im März 2024 hat Google die alte Regel zu automatisch generierten Inhalten in skalierten Missbrauch von Inhalten umbenannt und ausgeweitet. Gemeint ist das massenhafte Erstellen von Seiten, die vor allem Rankings beeinflussen sollen, ausdrücklich unabhängig davon, ob sie von Menschen, automatisiert oder in Kombination entstanden sind. Die Umbenennung war ein Eingeständnis: Massenware von Menschen ist genauso ein Problem.

Der Unterschied liegt also zwischen Herstellungsart und Absicht. Ein KI-Entwurf, den eine Fachperson prüft, ergänzt und verantwortet, ist für Google ein normaler Text. Hundert Seiten, die ungeprüft aus derselben Vorlage fallen, sind ein Fall für die Spam-Richtlinien.

Wo das Risiko trotzdem liegt

Das erste Risiko ist Masse ohne Substanz. Ein Blog, der von zwei Beiträgen pro Monat auf dreissig springt, ohne dass Tiefe oder Themenfokus zunehmen, fällt genau in das Muster, das Google beschreibt. Die Schwelle kennt niemand, und das ist der Punkt: Es gibt keine erlaubte Stückzahl, es gibt nur die Frage, ob jede Seite für sich einen Grund hat zu existieren.

Das zweite Risiko ist fehlende eigene Erfahrung. Ein Sprachmodell kann nur zusammenfassen, was andere geschrieben haben. Es hat noch nie eine Offerte kalkuliert, eine Baustelle abgenommen oder mit einer Steuerverwaltung telefoniert. Genau darauf zielt das erste E in E-E-A-T, das Google Ende 2022 für Experience ergänzt hat. Ein Text ohne eine einzige Beobachtung aus der Praxis ist ersetzbar, nämlich durch die Antwort, die der Leser direkt im Chatfenster bekommt.

Das dritte Risiko sind falsche Fakten, besonders bei Schweizer Details. Modelle nennen bis heute gern den alten Mehrwertsteuersatz von 7.7 Prozent, obwohl seit Januar 2024 8.1 Prozent gelten. Dasselbe passiert bei Fristen, Normen, kantonalen Unterschieden und bei Zahlen, die zwischen Deutschland und der Schweiz nicht übertragbar sind. Ein einzelner solcher Fehler auf einer Beratungsseite kostet mehr Vertrauen, als zehn gute Absätze aufbauen.

Woran man einen ungeprüften Text erkennt

Der schnellste Test: Tauschen Sie im Text den Firmennamen gegen den eines Mitbewerbers. Fällt nichts auf, hilft der Text niemandem. Typisch sind Absätze, die mit einer Allgemeinheit beginnen und mit einer Empfehlung enden, die überall gelten würde. Keine Zahl, kein Ort, kein Name, kein Datum, kein einziger Fall.

Dazu kommen formale Spuren: dieselbe Überschriftenstruktur auf allen Seiten, fast identische Einleitungssätze, kein Autor, kein Aktualisierungsdatum, Quellenangaben, die fehlen oder ins Leere führen. Diese Signale lesen Menschen und Bewertungssysteme gleich, nämlich als Hinweis darauf, dass niemand mehr hingeschaut hat.

Eine brauchbare Prüffrage vor der Veröffentlichung lautet: Steht in diesem Text etwas, das nur wir wissen können. Lautet die Antwort nein, fehlt der Grund, ihn zu publizieren.

Was verantwortungsvoller Einsatz bedeutet

Vier Dinge, die sich in der Praxis bewähren. Erstens: Die KI liefert den Entwurf, die Freigabe kommt von einem Menschen, der die Arbeit selbst macht. Zweitens: Jede Zahl, jede Frist und jeder Preis wird gegen eine Primärquelle geprüft, also Gesetzestext, Bundesamt, Verband oder die eigene Buchhaltung, und bekommt einen Stand mit Datum.

Drittens: In jeden Text gehört etwas Eigenes. Ein Fall aus dem letzten Jahr, eine Frage, die Kunden wirklich stellen, eine Zahl aus dem eigenen Betrieb, ein Foto von der eigenen Baustelle. Viertens: zugeben, was unsicher ist. Der Satz Dazu gibt es keine belastbaren Zahlen wirkt glaubwürdiger als eine erfundene Prozentangabe, und er hält auch der Prüfung durch einen Fachkollegen stand.

Das kostet pro Beitrag eine halbe bis eine Stunde Aufmerksamkeit von jemandem, der die Sache kennt. Wer diese Stunde nicht aufbringen will, sollte lieber weniger publizieren. Bei BlogPilot ist das der Grund, weshalb Beiträge standardmässig erst nach Ihrer Freigabe online gehen; wer die automatische Veröffentlichung einschaltet, übernimmt diese Prüfung bewusst selbst.

Was passiert, wenn trotzdem ungeprüfte Masse online geht

Meist nicht das, was man unter Strafe versteht. Häufiger ist der stille Fall: Die Seiten werden gar nicht indexiert oder fallen nach einigen Wochen aus dem Index, ohne Meldung in der Search Console. Manuelle Massnahmen gibt es, sie sind aber der Ausnahmefall. Der Normalfall ist eine Abwertung über das Kern-Ranking, und die trifft oft die ganze Website, nicht nur die schwachen Seiten. Das ist der unangenehme Teil: Hundert dünne Beiträge können die zwanzig guten mitziehen.

Die Erholung ist langsam. Google kommuniziert dazu seit Jahren dasselbe, nämlich dass es keinen Schalter gibt, der eine Abwertung zurücknimmt. In der Praxis bewegt sich nach dem Aufräumen erst mit einem der folgenden Core-Updates etwas, also über Monate statt über Wochen.

Der erste Schritt ist deshalb nicht mehr Text, sondern weniger. Schwache Seiten löschen oder gründlich überarbeiten, verwandte Beiträge zu einem starken zusammenführen, und erst danach wieder publizieren.

Häufige Rückfragen

Kann Google erkennen, ob ein Text von einer KI stammt?

Teilweise, aber darauf kommt es nicht an. Die verfügbaren KI-Detektoren sind unzuverlässig und schlagen auch bei menschlichen Texten Fehlalarm. Google bewertet nach Qualitätssignalen wie Tiefe, Genauigkeit und Nutzen, nicht nach einer Herkunftserkennung.

Muss ich kennzeichnen, dass ein Text mit KI entstanden ist?

Für das Ranking verlangt Google keine Kennzeichnung. Für Leser kann ein Hinweis sinnvoll sein, wenn er etwas erklärt, etwa dass der Entwurf maschinell entstand und eine namentlich genannte Fachperson ihn geprüft hat. In regulierten Bereichen wie Medien, Medizin oder Recht können eigene Regeln gelten.

Wie viele Beiträge pro Monat sind unbedenklich?

Google nennt dazu keine Zahl, und jede konkrete Angabe von Dritten ist geraten. Entscheidend ist, ob jeder einzelne Beitrag einen eigenen Grund hat und geprüft wurde. Zwei gute Beiträge pro Monat tragen weiter als zwanzig ungeprüfte.

Hilft es, einen KI-Text von Hand umzuschreiben?

Umformulieren allein bringt nichts, wenn der Inhalt austauschbar bleibt. Wert entsteht durch Ergänzung: eigene Zahlen, ein konkreter Fall, geprüfte Quellen, klare Einschränkungen. Erst das macht aus einem Entwurf einen Text, den es sonst nirgends gibt.

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