Scaled Content Abuse: wo Google bei KI-Inhalten die Grenze zieht

Stand 22. Oktober 2026 · 4 Min Lesezeit · von Marco Schulz

Scaled Content Abuse ist eine Spam-Richtlinie, die Google im März 2024 eingeführt hat. Sie betrifft viele Seiten, die vor allem erzeugt werden, um Rankings zu beeinflussen, und Lesern wenig oder nichts bringen, unabhängig davon, ob Menschen, Maschinen oder beide sie erstellt haben. KI-Einsatz an sich ist laut Google kein Verstoss. Entscheidend sind Nutzen und Originalität der einzelnen Seite, nicht die Produktionsmethode.

Scaled Content Abuse ist der Name einer Spam-Richtlinie, die Google im März 2024 zusammen mit zwei weiteren Regeln eingeführt hat. Sie ist die eine Stelle in Googles Dokumentation, an der KI-Inhalte tatsächlich ein Risiko darstellen können. Wer einen Firmenblog mit KI betreibt, sollte deshalb genau wissen, was die Richtlinie sagt, und vor allem, was sie nicht sagt.

Was die Richtlinie besagt

Google beschreibt Scaled Content Abuse sinngemäss so: Es liegt vor, wenn viele Seiten erzeugt werden, deren Hauptzweck darin besteht, Rankings zu beeinflussen, und die Nutzern nicht helfen. Typisch ist eine grosse Menge an nicht originellem Inhalt mit wenig oder keinem Wert, und zwar unabhängig davon, wie er entstanden ist: durch Automatisierung, durch Menschen oder durch eine Kombination.

Drei Punkte daraus sind für KMU wichtig:

  1. Die Methode ist egal. Die Richtlinie hat die frühere Regel zu «automatisch generierten Inhalten» ersetzt. Google will nicht mehr beurteilen, ob eine Maschine geschrieben hat, sondern ob das Ergebnis nützt.
  2. Es geht um Masse ohne Wert. Das Wort «scaled» steht für Skalierung: viele Seiten, kein Nutzen. Ein einzelner schwacher Beitrag fällt nicht darunter.
  3. Der Zweck zählt. Seiten, die primär für Suchmaschinen gebaut sind, nicht für Leser.

Was Google als Beispiele nennt

Die Dokumentation führt unter anderem diese Fälle auf (Paraphrase):

  • Mit generativen KI-Werkzeugen viele Seiten erzeugen, ohne Nutzern einen Mehrwert zu bieten.
  • Inhalte aus Feeds, Suchergebnissen oder anderen Quellen abgreifen und als eigene Seiten ausgeben.
  • Inhalte verschiedener Seiten zusammenfügen oder leicht verändern, ohne Mehrwert.
  • Mehrere Websites betreiben, um das Ausmass der Skalierung zu verschleiern.
  • Viele Seiten erzeugen, deren Inhalt für Leser wenig oder keinen Sinn ergibt.

Keines dieser Beispiele beschreibt einen Firmenblog, der wöchentlich eine Kundenfrage beantwortet. Alle beschreiben Websites, die Masse statt Antworten produzieren.

Die Abgrenzung: erlaubt oder nicht

VorgehenEinordnung
Ein Beitrag pro Woche zu einer echten Kundenfrage, mit Angaben aus dem Betrieb, geprüft und freigegebenKein Verstoss. Google bewertet KI-Inhalte nach denselben Kriterien wie andere.
Derselbe Beitrag in zwanzig Varianten für zwanzig Ortsnamen, nur der Ort ist ausgetauschtRisiko. Masse ohne eigenen Wert pro Seite.
Hundert Glossarseiten mit je drei Sätzen aus dem LexikonRisiko. Nicht originell, kein Mehrwert.
Beiträge, die Konkurrenz-Texte umformulierenRisiko. Zusammengefügter oder leicht veränderter Inhalt.
Zwanzig Beiträge zu zwanzig verschiedenen Fragen aus der Search Console, jeder mit eigenem BeispielKein Verstoss, auch wenn alle mit KI entstanden sind.

Die Tabelle zeigt, dass die Grenze nicht beim Werkzeug verläuft. Sie verläuft zwischen «jede Seite beantwortet etwas Eigenes» und «jede Seite ist eine Kopie mit anderem Etikett». Was Google unter hilfreichen Inhalten versteht, beschreibt die Seite Hilfreiche Inhalte im Detail.

Fünf Prüffragen für den eigenen Blog

  1. Hat jeder Beitrag eine eigene Frage? Wenn zwei Beiträge dieselbe Suchabsicht bedienen, ist einer überflüssig. Zusammenlegen.
  2. Steht in jedem Beitrag mindestens eine Angabe, die nur aus Ihrem Betrieb stammen kann? Ein Preis, ein Projekt, ein regionaler Hinweis, eine Erfahrung. Fehlt das, ist der Beitrag austauschbar.
  3. Würden Sie den Beitrag einem Kunden am Telefon vorlesen? Wenn Ihnen dabei unwohl wäre, ist er für Google geschrieben, nicht für Menschen.
  4. Entsteht die Menge aus Fragen oder aus Varianten? Zwölf Beiträge aus zwölf Kundenfragen sind in Ordnung. Zwölf Beiträge aus einer Frage und zwölf Ortsnamen sind ein Muster, das Google ausdrücklich beschreibt.
  5. Hat jemand den Beitrag vor der Veröffentlichung gelesen? Nicht, weil Google das verlangt, sondern weil ungelesene Beiträge die ersten sind, die keinen Nutzen haben.

Wer alle fünf Fragen mit Ja beantwortet, bewegt sich innerhalb dessen, was Google ausdrücklich erlaubt. Wie die Freigabe im automatisierten Ablauf eingebaut wird, zeigt Blog automatisieren.

Was Google ausdrücklich erlaubt

Schon im Februar 2023 hat Google festgehalten, dass der Einsatz von KI oder Automatisierung an sich nicht gegen die Richtlinien verstösst, solange der Inhalt nicht primär dazu dient, Rankings zu manipulieren. Automatisierung wird dort als legitimes Mittel genannt, etwa für Sportergebnisse oder Wetterberichte. Die Richtlinie von 2024 ändert daran nichts, sie präzisiert nur, wo die Grenze liegt. Eine kürzere Antwort auf die Frage, ob KI-Texte abgestraft werden, finden Sie unter Wird KI-Text von Google abgestraft?.

Was Sie daraus machen

Die Richtlinie ist für einen sorgfältig betriebenen Firmenblog keine Bedrohung, sondern ein Massstab. Sie zwingt dazu, jeden Beitrag auf eine Frage zu beschränken, ihn mit Angaben aus dem Betrieb zu füllen und ihn vor der Veröffentlichung zu lesen. Wer das tut, muss sich um Scaled Content Abuse keine Sorgen machen. Wer stattdessen auf Menge setzt, riskiert nicht nur eine Rückstufung, sondern vor allem eine Website, auf der niemand etwas findet.

Häufige Fragen

Ab wie vielen Beiträgen pro Woche gilt ein Blog als Scaled Content Abuse?

Google nennt keine Zahl. Die Richtlinie stellt auf den Zweck und den Nutzen ab, nicht auf die Menge. Ein Blog mit sieben nützlichen Beiträgen pro Woche ist kein Verstoss, ein Blog mit einem nutzlosen Beitrag pro Woche ist zwar kein Spam-Fall, aber auch kein Gewinn.

Wie merke ich, dass Google meine Website wegen Scaled Content Abuse zurückgestuft hat?

Bei einer manuellen Massnahme erscheint ein Hinweis in der Google Search Console unter «Manuelle Massnahmen». Algorithmische Rückstufungen werden nicht gemeldet, sie zeigen sich als Einbruch bei Impressionen und Klicks. Ob der Einbruch mit dieser Richtlinie zu tun hat, lässt sich ohne Hinweis nicht sicher sagen.

Ist ein automatisierter Firmenblog mit einem Beitrag pro Woche gefährdet?

Nicht, wenn jeder Beitrag eine eigene Kundenfrage beantwortet und Angaben aus dem Betrieb enthält. Gefährdet sind Websites, die hunderte austauschbare Seiten für jede Ortsvariante oder jedes Synonym erzeugen. Der Massstab ist, ob ein Leser auf jeder Seite etwas findet, das er anderswo nicht hat.

Gilt die Richtlinie auch für Texte, die ein Mensch massenhaft schreibt?

Ja. Google hat die Richtlinie ausdrücklich so formuliert, dass die Produktionsmethode keine Rolle spielt. Die frühere Regel zu automatisch generierten Inhalten wurde dadurch ersetzt. Ein Texterteam, das hundert gleichförmige Seiten liefert, fällt genauso darunter wie eine Maschine.

Quellen

Marco Schulz · Gründer BlogPilot, Kreuzlingen · schreibt seit 2023 über Sichtbarkeit in Google und KI-Suche

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