Ein Kanzleiblog bringt Mandate, wenn er die Fragen beantwortet, die Menschen vor dem ersten Anruf stellen: Was kostet eine Erstberatung, wie lange dauert eine Kündigungsfrist, was passiert bei einer Scheidung mit dem Haus. Er bleibt zulässig, wenn er allgemein informiert statt den Einzelfall zu beurteilen. Diese Seite liefert 25 Themen in sechs Rechtsgebieten, die Grenzen des Standesrechts in Kurzform, den Tonfall und einen Beispielaufbau für einen Beitrag.
Wer einen Anwalt braucht, weiss es meist erst, wenn etwas passiert ist: die Kündigung liegt auf dem Tisch, der Vermieter droht, der Vater ist gestorben und die Geschwister streiten. In diesem Moment googelt der Mensch nicht «Anwalt Winterthur», sondern seine Frage. Eine Kanzlei, deren Website diese Frage beantwortet, wird gefunden, bevor sie gesucht wird. Das ist der ganze Sinn eines Kanzleiblogs. Die Kunst liegt darin, zu informieren, ohne zu beraten.
25 Themen nach Rechtsgebiet
Die Fragen sind so formuliert, wie sie gesucht werden. Jede trägt einen Beitrag, der die Regel erklärt, die typischen Konstellationen zeigt und sagt, wann ein Gespräch nötig wird.
Arbeitsrecht
- Welche Kündigungsfrist gilt für mich, und wann beginnt sie zu laufen?
- Was ist eine missbräuchliche Kündigung, und was kann ich dagegen tun?
- Darf mein Arbeitgeber mich während einer Krankheit entlassen?
- Was muss in einem Arbeitszeugnis stehen, und wie wehre ich mich gegen ein schlechtes?
- Überstunden oder Überzeit: was muss der Arbeitgeber bezahlen?
Mietrecht
- Wie wehre ich mich gegen eine Mietzinserhöhung?
- Was darf der Vermieter bei der Wohnungsabgabe verrechnen?
- Kann ich die Wohnung vorzeitig kündigen, wenn ich einen Nachmieter stelle?
- Welche Mängel muss der Vermieter beheben, und darf ich den Mietzins hinterlegen?
Familienrecht
- Wie läuft eine Scheidung ab, wenn sich beide einig sind?
- Was passiert bei der Scheidung mit dem gemeinsamen Haus?
- Wie wird der Kindesunterhalt berechnet?
- Konkubinat oder Ehe: welche rechtlichen Unterschiede gibt es?
Erbrecht
- Wer erbt, wenn kein Testament vorliegt?
- Was ist der Pflichtteil, und wie viel kann ich frei vererben?
- Testament oder Erbvertrag: was ist der Unterschied?
- Wie läuft eine Erbteilung ab, wenn sich die Erben nicht einig sind?
Vertrags- und Gesellschaftsrecht
- Was gehört in einen Werkvertrag mit einem Handwerker?
- Welche Haftung trage ich als Verwaltungsrat einer kleinen AG?
- Was muss ein Aktionärbindungsvertrag regeln?
- Wie kündige ich einen Vertrag mit automatischer Verlängerung?
Strassenverkehr und Strafrecht
- Was passiert nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung mit meinem Führerausweis?
- Wie verhalte ich mich bei einer polizeilichen Vorladung?
Ablauf und Kosten
- Was kostet eine Erstberatung, und was bekomme ich dafür?
- Wie bereite ich mich auf das erste Gespräch mit dem Anwalt vor?
Die beiden letzten Themen sind die meistgelesenen fast jeder Kanzleiwebsite, und die wenigsten Kanzleien haben sie. Was Dienstleister sonst noch beantworten müssen, bevor jemand anruft, steht unter AEO für Dienstleister.
Die standesrechtliche Grenze
Das Anwaltsgesetz des Bundes lässt Werbung zu, soweit sie objektiv ist und dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit entspricht. Die Standesregeln und die kantonalen Aufsichtsbehörden legen das aus, und dieser Beitrag ersetzt deren Prüfung nicht. In der Praxis zieht sich die Linie zwischen Information und Beratung so:
| Zulässig | Heikel |
|---|---|
| Die Regel erklären: «Die Kündigungsfrist im ersten Dienstjahr beträgt nach Gesetz einen Monat, sofern der Vertrag nichts anderes sagt.» | Den Einzelfall beurteilen: «In Ihrer Situation ist die Kündigung missbräuchlich.» |
| Typische Konstellationen mit erfundenen Personen durchspielen | Echte Fälle der Kanzlei beschreiben, auch anonymisiert, wenn sie erkennbar bleiben |
| Sagen, wann ein Gespräch nötig ist | Erfolgsaussichten oder Ergebnisse versprechen |
| Nennen, was eine Erstberatung kostet | Mit Preisen werben, die nur unter Bedingungen gelten, ohne die Bedingungen |
| Fachgebiete und Zulassungen nennen | Vergleiche mit anderen Kanzleien ziehen |
Zwei Sätze gehören deshalb unter jeden Beitrag: das Datum des Rechtsstands und der Hinweis, dass der Beitrag keine Beratung im Einzelfall ersetzt. Leserfragen in Kommentaren oder per Mail beantworten Sie nicht mit einer Einschätzung, sondern mit der Einladung zum Gespräch. Wer die Freigabe jedes Beitrags bei einer Anwältin oder einem Anwalt der Kanzlei belässt, hat die Grenze unter Kontrolle; wie dieser Schritt in den Ablauf passt, zeigt Freigabe im Blogprozess.
Der Tonfall: klar, ruhig, ohne Juristendeutsch
Die Leser eines Kanzleiblogs sind beunruhigt. Sie wollen wissen, was gilt und was sie jetzt tun sollen. Das heisst:
- Antwort zuerst. Der erste Absatz sagt, was gilt. Die Herleitung mit Gesetzesartikeln folgt danach, nicht davor.
- Ein Satz, eine Aussage. Keine Schachtelsätze mit drei Vorbehalten. Der Vorbehalt bekommt einen eigenen Satz.
- Fachbegriffe erklären, einmal, beim ersten Vorkommen: «der Pflichtteil, also der Anteil, der bestimmten Erben nicht entzogen werden kann».
- Keine Angst schüren, um Mandate zu erzeugen. Wer sachlich sagt, wann es ohne Anwalt geht, gewinnt die Fälle, in denen es nicht ohne geht.
- Sie als Anrede, ohne Ausnahme. Eine Kanzlei duzt nicht.
Beispielaufbau: «Welche Kündigungsfrist gilt für mich?»
So sieht ein Beitrag nach diesem Muster aus, in Stichworten:
- Titel: Welche Kündigungsfrist gilt für mich, und wann beginnt sie zu laufen?
- Kurzantwort (drei Sätze): Die gesetzliche Frist hängt vom Dienstjahr ab, der Arbeitsvertrag oder ein Gesamtarbeitsvertrag kann sie verlängern. Sie läuft auf das Ende eines Monats. In der Probezeit gilt eine kürzere Frist.
- Die Regel: eine Tabelle mit den gesetzlichen Fristen nach Dienstjahr, mit Stand-Datum und Verweis auf den Gesetzesartikel.
- Drei Konstellationen: Vertrag schweigt, Vertrag sagt mehr, Gesamtarbeitsvertrag gilt. Je ein Absatz mit erfundener Person.
- Sperrfristen: wann die Kündigung trotz Frist nicht wirkt (Krankheit, Unfall, Schwangerschaft), nur als Übersicht.
- Wann ein Gespräch nötig ist: drei Situationen, in denen Sie nicht warten sollten.
- FAQ: Beginnt die Frist mit dem Poststempel? Darf ich in der Frist Ferien nehmen? Was gilt bei einer Freistellung?
- Autor, Rechtsstand, Hinweis auf Einzelfall.
Rund 900 Wörter, kein Rechtsrat, aber eine vollständige Antwort. Ein Beitrag dieser Art kann auch von einer KI vorformuliert werden, wenn die Rechtsgebiete und die Grenzen im Briefing stehen; die Freigabe durch eine Anwältin bleibt Pflicht, und die Prüfpunkte dafür stehen unter KI-Blogbeiträge prüfen. Ein Blogsystem wie BlogPilot liefert den Entwurf mit Zwischentiteln und FAQ zur Freigabe; die juristische Verantwortung bleibt in der Kanzlei. Mit 25 Themen und einem Beitrag pro Woche ist die Liste in einem halben Jahr abgearbeitet, und die Fragen 24 und 25 sollten in der ersten Woche online sein.
Häufige Fragen
Darf eine Schweizer Anwaltskanzlei überhaupt einen Blog mit Rechtsthemen führen?
Das Anwaltsgesetz des Bundes lässt Werbung zu, solange sie objektiv bleibt und dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit entspricht; die kantonalen Aufsichtsbehörden und die Standesregeln des Verbands konkretisieren das. Sachliche Beiträge zu Rechtsfragen gelten allgemein als zulässig. Was in Ihrem Kanton genau gilt, klären Sie mit der Aufsichtskommission oder dem Verband.
Wie verhindere ich, dass ein Beitrag als Rechtsberatung gilt?
Beschreiben Sie Regeln, Abläufe und typische Konstellationen, nie die Beurteilung eines konkreten Falls. Verwenden Sie Beispiele mit erfundenen Personen und schliessen Sie mit dem Hinweis, dass der Einzelfall zu prüfen ist. Beantworten Sie Leserfragen in Kommentaren nicht mit einer Einschätzung, sondern mit der Einladung zum Gespräch.
Soll jeder Anwalt der Kanzlei unter eigenem Namen schreiben?
Ja, wenn es die Struktur erlaubt. Ein Beitrag zum Erbrecht, unterzeichnet von der Anwältin, die Erbrecht bearbeitet, mit ihrer Ausbildung und Zulassung, ist für Leser und für KI-Systeme ein stärkerer Beleg als ein Beitrag «von der Kanzlei». Die Freigabe bleibt trotzdem bei einer zentralen Stelle.
Lohnt sich ein Blog für eine Kanzlei, die nur Unternehmen berät?
Ja, mit anderen Themen. Geschäftsführer suchen nach Fragen zu Verträgen, Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht und Nachfolge, und sie suchen oft, bevor sie den Hausjuristen oder die bestehende Kanzlei fragen. Ein Beitrag, der die Frage sachlich beantwortet, ist die Visitenkarte, die vor dem Mandat gelesen wird.