Eine neue Website braucht in den ersten 90 Tagen vor allem vier Dinge in dieser Reihenfolge: eine saubere technische Grundlage mit Search Console und Sitemap, ein verknüpftes Google Unternehmensprofil, etwa zehn Seiten, die konkrete Kundenfragen beantworten, und erste Links von Verzeichnissen und Partnern. Nennenswerte Rankings in dieser Zeit sind die Ausnahme. Realistisch ist, dass Google die Website vollständig kennt und die ersten Seiten für wenig umkämpfte Suchbegriffe erscheinen.
Die Website ist seit zwei Wochen online, und bei Google erscheint sie nur, wenn man den Firmennamen eintippt. Das ist der Normalfall, kein Fehler. Eine neue Domain hat für Google keine Historie: keine Links, keine Besucher, keine Belege dafür, dass die Inhalte stimmen. Die ersten 90 Tage dienen dazu, diese Belege zu liefern. Wer sie in der richtigen Reihenfolge angeht, hat nach drei Monaten eine Website, die Google vollständig kennt und die für die ersten Suchbegriffe erscheint. Was in diesen 90 Tagen nicht zu erwarten ist: Platz 1 für den Hauptbegriff der Branche.
Was realistisch ist
Google hat nie bestätigt, dass es eine «Sandbox» gibt, also eine feste Wartezeit für neue Websites. Beobachtbar ist aber, dass neue Domains Wochen bis Monate brauchen, bis ihre Seiten für umkämpfte Begriffe erscheinen. Der Grund ist nicht eine Strafe, sondern fehlende Information. Die Erfahrung aus Projekten mit regelmässig veröffentlichten Beiträgen: erste Bewegung in den Rankings nach sechs bis acht Wochen, spürbar mehr Anfragen meist ab dem vierten Monat. Das sind Erfahrungswerte, keine Garantie, und sie gelten für Websites, die in dieser Zeit laufend Inhalte bekommen. Wie lange SEO insgesamt braucht, ist unter Wie lange dauert SEO? beschrieben.
Die Reihenfolge: Technik, Profil, Antworten, Links
1. Technik (Woche 1)
Bevor Inhalte entstehen, muss Google die Website lesen können.
- Search Console einrichten und die Domain bestätigen. Anleitung: Search Console einrichten.
- XML-Sitemap erzeugen und in der Search Console einreichen. Die meisten Systeme erzeugen sie automatisch unter /sitemap.xml.
- Prüfen, dass kein «noindex» aus der Entwicklungsphase übrig ist und die robots.txt das Crawlen erlaubt.
- Eine Version der Adresse festlegen (https, mit oder ohne www) und alle anderen dorthin weiterleiten.
- Seitentitel und Meta-Description für jede Seite setzen, keine Platzhalter wie «Startseite» oder «Neue Seite».
- Ladezeit auf dem Handy prüfen, vor allem die Bildgrössen.
2. Google Unternehmensprofil (Woche 1 bis 2)
Für Betriebe mit Kundschaft aus der Region ist das Profil der schnellste Weg zu Sichtbarkeit, weil es unabhängig vom Alter der Domain funktioniert. Profil anlegen oder beanspruchen, Hauptkategorie wählen, Leistungen eintragen, die Kontaktseite der neuen Website als Adresse hinterlegen. Die Adresse auf der Website und im Profil muss zeichengenau übereinstimmen.
3. Zehn Antwortseiten (Woche 2 bis 10)
Die Leistungsseiten stehen beim Start. Was die Website in den ersten Monaten braucht, sind Seiten zu den Fragen, die Kunden vor einer Anfrage stellen. Zehn davon in acht Wochen ist ein realistisches Ziel, also etwas mehr als eine pro Woche. Themen finden Sie in drei Quellen: Fragen, die am Telefon kommen, Suchbegriffe aus dem Unternehmensprofil und die Vorschläge, die Google unter «Weitere Fragen» zu Ihrer Branche zeigt.
Beginnen Sie mit wenig umkämpften, konkreten Fragen. «Was kostet eine Wärmepumpe» ist umkämpft; «Wärmepumpe im Reihenhaus: wo kommt das Aussengerät hin?» nicht. Für die zweite Frage kann eine neue Website nach wenigen Wochen erscheinen, für die erste dauert es Monate. Jede Antwortseite verlinkt auf die passende Leistungsseite.
4. Erste Links (Woche 4 bis 12)
Links von anderen Websites sind der Beleg, den eine neue Domain am meisten braucht. Für ein KMU sind die ersten Quellen naheliegend: Branchenverzeichnisse wie local.ch und search.ch, der Branchenverband, die Gemeinde-Website mit Gewerbeverzeichnis, Lieferanten und Partner, die Referenzen nennen, die eigenen Social-Media-Profile. Zehn solche Links in den ersten drei Monaten sind mehr, als die meisten neuen Websites haben. Gekaufte Links aus Linknetzwerken verstossen gegen Googles Richtlinien und sind bei einer neuen Domain besonders riskant.
Was Sie wann prüfen
| Zeitpunkt | Was Sie prüfen | Was Sie sehen sollten |
|---|---|---|
| Woche 1 | Search Console, Bericht «Seiten»; Sitemap-Status | Sitemap gelesen, erste Seiten «indexiert» |
| Woche 4 | Bericht «Seiten»: Sind alle Seiten indexiert? Bericht «Leistung»: erste Impressionen? | Alle Pflicht- und Leistungsseiten indexiert, Impressionen für den Firmennamen |
| Woche 8 | Bericht «Leistung»: Welche Antwortseiten haben Impressionen, für welche Suchbegriffe? | Erste Impressionen für konkrete Fragen, meist noch Position 20 bis 50 |
| Woche 12 | Bericht «Leistung»: Klicks pro Seite; Unternehmensprofil: Aufrufe und Anrufe | Erste Klicks für wenig umkämpfte Fragen, Profil bringt Anrufe |
Wenn in Woche 4 Seiten als «Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert» stehen, ist das bei neuen Websites normal. Bleibt es in Woche 8 so, prüfen Sie die Ursachen, die unter Seite wird nicht indexiert beschrieben sind. Meist fehlt der Seite ein interner Link oder sie hat zu wenig eigenen Inhalt.
Was Sie in den ersten 90 Tagen nicht tun
- Nicht jede Woche die Struktur umbauen. Google braucht Zeit, eine Seite einzuordnen; wer die Adressen ständig ändert, setzt den Zähler zurück.
- Nicht zwanzig Ortsseiten anlegen, um das Einzugsgebiet abzudecken. Eine Standortseite reicht.
- Nicht auf Rankings für den Hauptbegriff warten und den Erfolg daran messen. Messen Sie Indexierung, Impressionen und die ersten konkreten Fragen.
- Nicht nach sechs Wochen aufhören, Inhalte zu veröffentlichen. Die meisten neuen Websites scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass nach dem Start nichts mehr dazukommt.
Nach den 90 Tagen
Nach drei Monaten hat Google die Website vollständig gelesen, das Profil bringt erste Anrufe, und die Search Console zeigt, welche Fragen Impressionen bringen. Ab jetzt arbeiten Sie mit diesen Daten: Seiten mit Impressionen auf Position 10 bis 30 werden ausgebaut, neue Antwortseiten folgen den Suchbegriffen, die bereits auftauchen. Ob die Website für KI-Systeme wie ChatGPT und Perplexity lesbar ist, prüfen Sie in rund einer Minute mit dem KI-Check. Wer die Antwortseiten nicht selbst schreiben will, kann die dritte Stufe an ein Blogsystem wie BlogPilot abgeben, das aus Suchanfragen der Branche Beiträge erstellt. Die Technik und das Profil bleiben in jedem Fall die Aufgabe, mit der alles beginnt.
Häufige Fragen
Gibt es die Google Sandbox für neue Websites wirklich?
Google hat eine Sandbox, also eine gezielte Wartezeit für neue Websites, nie bestätigt. Beobachtbar ist aber, dass neue Domains ohne Historie und ohne Links Zeit brauchen, bis Google ihnen vertraut. Der Effekt ist derselbe wie eine Wartezeit, die Ursache ist fehlende Information, nicht eine Strafe.
Soll ich die Website erst veröffentlichen, wenn alle Seiten fertig sind?
Nein. Je früher Google die Domain kennt, desto früher beginnt die Zeit zu laufen. Veröffentlichen Sie mit den Pflichtseiten und den wichtigsten Leistungsseiten, und ergänzen Sie den Rest laufend. Eine wachsende Website ist für Google ein besseres Signal als eine, die fertig ist und sich nie mehr ändert.
Hilft eine alte Domain, die ich kaufen kann?
Selten und mit Risiko. Eine Domain mit fremder Historie bringt deren Links mit, aber auch deren Themen und eventuelle Strafen. Für ein KMU ist die eigene, neue Domain mit dem Firmennamen fast immer die bessere Wahl. Die Historie bauen Sie in einem Jahr selbst auf.
Wann sollte ich Google Ads schalten, um die Wartezeit zu überbrücken?
Sobald die Leistungsseiten stehen und das Kontaktformular funktioniert. Anzeigen haben keinen Einfluss auf das organische Ranking, bringen aber Besucher und zeigen Ihnen, welche Suchbegriffe tatsächlich zu Anfragen führen. Diese Erkenntnis nutzen Sie dann für die Antwortseiten.