Blog für Kunden in Deutschland und Österreich: was ein Schweizer KMU anpassen muss

Stand 22. Oktober 2026 · 5 Min Lesezeit · von Marco Schulz

Ein Schweizer KMU, das Kunden in Deutschland oder Österreich gewinnen will, braucht eine eigene Sprachversion mit bundesdeutscher Rechtschreibung, Preisen in Euro, einem Impressum nach deutschem Recht und hreflang-Angaben für de-CH, de-DE und de-AT. Die .ch-Domain kann bleiben, wenn Google die Zielländer über Inhalte und hreflang erkennt. Die Blogthemen müssen zu den Fragen deutscher Kunden passen, die sich bei Behörden, Normen und Gewohnheiten von Schweizer Fragen unterscheiden. Wer nur das Eszett ergänzt, hat den Markt nicht erreicht.

Viele Schweizer KMU bedienen Kunden in Deutschland, oft fast nebenbei: ein Maschinenbauer aus dem Thurgau, ein Online-Shop aus Zürich, eine Softwarefirma aus St. Gallen. Die Website aber spricht Schweizer Hochdeutsch, nennt Preise in Franken und kennt nur Schweizer Behörden. Für deutsche Suchende wirkt sie fremd, und Google ordnet sie der Schweiz zu. Diese Seite listet, was Sie anpassen müssen, damit der Blog in Deutschland und Österreich funktioniert.

Sprache: mehr als das scharfe S

Die bundesdeutsche Rechtschreibung verwendet das Eszett nach langen Vokalen und Doppellauten, deutsche Anführungszeichen unten und oben, den Punkt als Tausendertrenner. Das lässt sich mechanisch umstellen. Schwieriger sind die Begriffe.

SchweizDeutschlandÖsterreich
OfferteAngebotAngebot, Offert
VeloFahrradFahrrad, Rad
Lernende, LehreAuszubildende, AusbildungLehrlinge, Lehre
TreuhänderSteuerberaterSteuerberater
SteueramtFinanzamtFinanzamt
Handelsregister, ZefixHandelsregister, RegistergerichtFirmenbuch
AHVRentenversicherungPensionsversicherung
StockwerkeigentumWohnungseigentumWohnungseigentum
ParkierenParkenParken
Mehrwertsteuer, MWSTUmsatzsteuer, UStUmsatzsteuer, USt

Ein Beitrag über «Offerten für Lernende» wird in Deutschland niemand suchen. Die Regeln für die Schweizer Variante stehen unter Schweizer Hochdeutsch im Blog; für den deutschen Markt drehen Sie sie konsequent um. Mischformen schaden beiden Versionen.

Währung und Steuern

Preise für deutsche Kunden gehören in Euro. Ein Franken-Preis mit Umrechnungshinweis wirkt wie ein Export aus der Ferne und erschwert den Vergleich mit lokalen Anbietern. Dazu kommt die Steuerfrage: Schweizer Mehrwertsteuersätze gelten in Deutschland nicht, und je nach Geschäft entstehen Pflichten zur Umsatzsteuer im Zielland. Das ist ein Fall für die Treuhand oder einen Steuerberater, nicht für den Blog. Im Blog genügt, dass Preise und Beispielrechnungen in der Währung und mit den Steuersätzen des Ziellands formuliert sind.

Rechtliches: das deutsche Impressum

In der Schweiz verlangt das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb für Online-Shops klare Angaben zur Identität und Kontaktadresse. Deutschland kennt eine ausführlichere Impressumspflicht für geschäftliche Websites, mit Angaben wie Vertretungsberechtigten, Registereintrag, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und Verantwortlichen für redaktionelle Inhalte. Dazu kommen bei Verkauf an Verbraucher Widerrufsbelehrung und Pflichtinformationen im Fernabsatz.

Diese Regeln gelten nach allgemeiner Lesart auch für ausländische Anbieter, die sich gezielt an den deutschen Markt richten. Lassen Sie Impressum, Datenschutzerklärung und allfällige AGB von einer Fachperson mit Kenntnis des deutschen und österreichischen Rechts prüfen. Ein Schweizer Impressum, das für Deutschland übernommen wird, ist eine häufige Abmahnquelle.

Domain und Hosting

Google ordnet länderspezifische Domains wie .ch oder .de automatisch dem jeweiligen Land zu. Für eine Schweizer Firma mit deutscher Zielgruppe gibt es drei Wege:

WegWann sinnvollWas zu beachten ist
.ch-Domain mit Verzeichnis /de-de/Deutschland ist Nebenmarkthreflang muss sauber sein, Google braucht klare Signale
Eigene .de-DomainDeutschland ist Hauptmarkt oder gleichwertigZweite Website, zweites Vertrauen, doppelte Pflege
.com-Domain mit LänderverzeichnissenMehrere Länder gleichwertigGoogle-Zuordnung pro Verzeichnis über Search Console und hreflang

Der Serverstandort spielt für das Ranking keine belegte Rolle. Für die Ladezeit ist ein Standort in Mitteleuropa für alle drei Länder ausreichend. Was sich für mehrere Sprachen bewährt, gilt auch für mehrere Länder derselben Sprache; die Grundlagen stehen unter mehrsprachiger Blog in der Schweiz.

hreflang: de-CH, de-DE, de-AT

Drei Versionen in derselben Sprache sind für Google ein Sonderfall. Ohne hreflang zeigt es einem Suchenden in München möglicherweise die Schweizer Seite mit Franken-Preisen. Mit hreflang weiss Google, welche Version für welches Land gedacht ist:

<link rel="alternate" hreflang="de-CH" href="https://www.firma.ch/blog/waermepumpe-kosten/" />
<link rel="alternate" hreflang="de-DE" href="https://www.firma.ch/de-de/blog/waermepumpe-kosten/" />
<link rel="alternate" hreflang="de-AT" href="https://www.firma.ch/de-at/blog/waermepumpe-kosten/" />
<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://www.firma.ch/blog/waermepumpe-kosten/" />

Zwei Hinweise aus der Google-Dokumentation: Jede Version muss auf alle anderen verweisen, und jede hat ihren eigenen Canonical-Tag. Sind die Texte für Deutschland und Österreich identisch, können Sie eine Seite für beide Länder nutzen und zwei hreflang-Zeilen auf dieselbe Adresse setzen. Was bei nahezu gleichen Texten zu beachten ist, erklärt die Seite zu doppelten Inhalten.

Themenwahl: andere Fragen, andere Behörden

Der grösste Fehler ist nicht sprachlich, sondern inhaltlich. Ein Beitrag «Was kostet eine Wärmepumpe im Thurgau?» mit kantonalem Förderprogramm interessiert in Stuttgart niemanden. Dort lautet die Frage nach der Bundesförderung für effiziente Gebäude, und die Preise liegen anders. Prüfen Sie jedes Thema auf vier Punkte:

  1. Gibt es in Deutschland oder Österreich eine andere Behörde, Norm oder Förderung?
  2. Werden andere Suchbegriffe verwendet?
  3. Sind Preisbeispiele und Marktvergleiche übertragbar?
  4. Haben Sie Referenzen oder Kunden im Zielland, die Sie nennen dürfen?

Ist die Antwort bei Punkt 1 Ja, braucht es einen eigenen Beitrag. Bei den anderen Punkten reicht oft eine angepasste Fassung. Ein Blogsystem, das Themen aus Schweizer Suchanfragen ableitet, liefert für Deutschland nicht automatisch die richtigen Themen; klären Sie mit dem Anbieter, ob er den Zielmarkt mitlesen kann.

Wie das Einsatzgebiet dieser Website aussieht

Diese Website selbst zeigt die Entscheidung in Gegenrichtung: Das Einsatzgebiet ist bewusst die Schweiz, in Schweizer Hochdeutsch, mit Franken-Preisen. Wer die eigene Zielgruppe so klar zieht, verzichtet auf Reichweite im Ausland, gewinnt aber Glaubwürdigkeit im Heimmarkt. Für ein KMU mit zwei echten Märkten ist das keine Option, dann braucht es beide Versionen vollständig.

Was Sie daraus machen

  • Entscheiden Sie, ob Deutschland Nebenmarkt oder Hauptmarkt ist; davon hängt die Domainfrage ab.
  • Legen Sie eine eigene Sprachversion mit bundesdeutscher Rechtschreibung, Begriffen und Euro-Preisen an.
  • Lassen Sie Impressum und Rechtstexte für Deutschland und Österreich von einer Fachperson prüfen.
  • Setzen Sie hreflang für de-CH, de-DE und de-AT und prüfen Sie es im Quelltext.
  • Planen Sie Blogthemen für den Zielmarkt eigenständig, statt Schweizer Beiträge umzuschreiben.

Ein halber Auftritt für Deutschland bringt weniger als keiner. Entweder der Markt ist es wert, richtig bedient zu werden, oder die Schweiz bleibt der Fokus.

Häufige Fragen

Reicht eine .ch-Domain für Kunden in Deutschland?

Sie kann reichen, wenn die deutsche Version klar als solche gekennzeichnet ist und hreflang auf de-DE verweist. Google ordnet .ch standardmässig der Schweiz zu, lässt sich aber durch Inhalte, Währung und Kontaktangaben umstimmen. Wer Deutschland als Hauptmarkt bearbeitet, fährt mit einer zusätzlichen .de-Domain oder .com-Domain meist einfacher.

Brauche ich ein deutsches Impressum?

Wer gewerblich Kunden in Deutschland anspricht, muss in der Regel die deutschen Impressumsvorschriften beachten, die ausführlicher sind als die Schweizer Informationspflichten. Dazu gehören etwa Vertretungsberechtigte, Registereintrag und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Welche Angaben für Ihren Fall nötig sind, klärt eine Fachperson mit Kenntnis des deutschen Rechts.

Kann ich den gleichen Beitrag für die Schweiz und Deutschland verwenden?

Bei allgemeinen Fachthemen ja, mit angepasster Rechtschreibung, Begriffen und Währung und mit hreflang für beide Versionen. Bei Themen mit Behörden, Normen, Steuern oder Förderungen nicht: Dort unterscheiden sich die Länder so stark, dass ein eigener Beitrag nötig ist.

Ist Österreich ein eigener Markt oder läuft es mit Deutschland mit?

Sprachlich liegt Österreich näher an Deutschland als an der Schweiz, kennt aber eigene Begriffe und Behörden. Mit hreflang de-AT und wenigen Anpassungen bei Begriffen und Rechtlichem lässt sich Österreich oft über die deutsche Version mitbedienen. Eigene Beiträge lohnen sich bei regionalen Themen.

Quellen

Marco Schulz · Gründer BlogPilot, Kreuzlingen · schreibt seit 2023 über Sichtbarkeit in Google und KI-Suche

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