KI-Sichtbarkeit messen: Werkzeuge, Prompts und ein Tabellenblatt

Stand 22. Oktober 2026 · 5 Min Lesezeit · von Marco Schulz

KI-Sichtbarkeit misst man am verlässlichsten mit einem festen Satz von 20 Prompts, die Sie monatlich in ChatGPT, Perplexity und Gemini stellen und in einer Tabelle festhalten: genannt oder nicht, an welcher Stelle, mit welcher Quelle, neben welchen Mitbewerbern. Tools automatisieren diese Stichprobe, ersetzen die eigene Prüfung aber nicht. Weil KI-Antworten bei jeder Anfrage anders ausfallen können, ist jede Messung eine Stichprobe und kein Ranking.

Bei Google gibt es Positionen, Impressionen und Klicks. Bei ChatGPT, Perplexity und Gemini gibt es nichts davon: keine Konsole, keine Rangliste, keine Zahl, die der Anbieter liefert. Wer wissen will, ob die eigene Firma in KI-Antworten vorkommt, muss selbst fragen und selbst zählen. Das ist weniger aufwendig, als es klingt, wenn man es wie eine Stichprobe anlegt: gleiche Fragen, gleicher Rhythmus, gleiche Tabelle.

Die manuelle Methode in vier Schritten

1. Zwanzig Prompts festlegen. Zwanzig Fragen in vier Kategorien zu je fünf Stück. Die Kategorien bleiben über Monate gleich, nur so werden die Ergebnisse vergleichbar.

KategorieWas Sie prüfenBeispiel für ein Malergeschäft in Frauenfeld
Anbieterfrage mit RegionWird Ihre Firma empfohlen?«Welcher Maler in Frauenfeld ist für Fassadenarbeiten empfehlenswert?»
LeistungsfrageWird Ihre Seite als Quelle genutzt?«Was kostet es, eine Fassade streichen zu lassen?»
MarkenfrageWeiss die KI, wer Sie sind?«Was macht die Firma Muster Malerei AG?»
VergleichsfrageStehen Sie neben Mitbewerbern?«Welche Malerbetriebe im Thurgau bieten Innen- und Aussenarbeiten an?»

Formulieren Sie die Fragen so, wie ein Kunde sie tippt, nicht wie ein Fachmann. Nehmen Sie keine Fragen auf, die nur Sie beantworten können; die Antwort wäre kein Beleg für Sichtbarkeit.

2. Drei Systeme am selben Tag. ChatGPT, Perplexity, Gemini. Jeweils ein neuer Chat ohne Verlauf, möglichst ausgeloggt. Dieselbe Frage wortgleich in alle drei.

3. Jede Antwort in die Tabelle. Nicht die Antwort abspeichern, sondern die Felder ausfüllen (siehe unten). Das dauert pro Antwort unter einer Minute.

4. Monatlich wiederholen. Immer in derselben Woche, am besten vom selben Rechner. Nach drei Monaten haben Sie eine Reihe, die etwas aussagt; nach einem Monat haben Sie eine Momentaufnahme.

Das Tabellenblatt

Acht Spalten reichen. Eine Zeile pro Prompt und System, also 60 Zeilen pro Monat.

SpalteInhaltZulässige Werte
DatumTag der MessungDatum
Promptdie Frage wortgleichText
KategorieAnbieter, Leistung, Marke, Vergleicheine von vier
SystemChatGPT, Perplexity, Geminieines von drei
GenanntKommt Ihre Firma oder Website vor?ja / nein
PositionAn welcher Stelle, wenn mehrere genannt werden?1, 2, 3 oder leer
Quelle zitiertIst eine Ihrer Seiten als Quelle verlinkt? Welche?Adresse oder leer
MitbewerberWer wird sonst genannt?Firmennamen

Die Auswertung ist eine Zeile pro Kategorie: Nennquote in Prozent (genannt geteilt durch Anzahl Prompts mal Systeme) und die Liste der zitierten Seiten. Beispielrechnung: Werden Sie bei den fünf Anbieterfragen in ChatGPT zweimal, in Perplexity dreimal und in Gemini einmal genannt, liegt die Nennquote für diese Kategorie bei 6 von 15, also 40 Prozent. Wenn die Quote bei Markenfragen hoch und bei Anbieterfragen null ist, kennt die KI Sie, empfiehlt Sie aber nicht; das ist ein Inhalts- und Verzeichnisproblem, kein Technikproblem. Welche Seiten Perplexity dabei als Quelle nennt, ist der wertvollste Eintrag der ganzen Tabelle; mehr dazu unter Perplexity für Unternehmen.

Tool-Kategorien ohne Preisliste

Werkzeuge nehmen Ihnen das Fragen und Zählen ab, nicht das Denken. Vier Kategorien gibt es Stand Oktober 2026; Preise und Anbieter ändern sich zu schnell, um sie hier zu nennen.

KategorieWas sie tunGeeignet fürGrenze
KI-Monitoring-DiensteStellen Ihre Prompts automatisch in mehreren Systemen und zählen NennungenFirmen mit vielen Begriffen oder mehreren StandortenZeigen Schwankungen als Trend, obwohl sie oft Zufall sind
SEO-Suiten mit KI-ModulErgänzen Keyword-Daten um Nennungen in KI-Übersichten oder Chat-AntwortenWer ohnehin eine Suite nutztAbdeckung für Schweizer Anfragen oft lückenhaft
Eigene Skripte über SchnittstellenFragen die Modelle programmgesteuert abTechnikaffine BetriebeErgebnisse über die Schnittstelle weichen vom Chat ab, den Kunden nutzen
Search Console und Website-StatistikZeigen die Folgewirkung: Impressionen, Klicks, Besucher von KI-DienstenJedes KMU, kostenlosZeigen keine Nennungen, nur Klicks, die daraus folgten

Die letzte Kategorie wird unterschätzt. Besucher, die von Perplexity oder ChatGPT auf Ihre Seite kommen, erscheinen in der Website-Statistik als Verweis von chatgpt.com oder perplexity.ai. Das ist die einzige Zahl, die direkt mit Umsatz zusammenhängt. Wie Sie die Google-Seite davon lesen, steht unter Google AI Overviews für KMU.

Was ein Blog-Dashboard dazu beiträgt

Wer seinen Blog über ein System führt, bekommt dort meist eine eigene Auswertung. Das Dashboard von BlogPilot zeigt zum Beispiel Lesezahlen pro Beitrag und die Suchbegriffe, über die Leser gekommen sind. Das beantwortet die Frage, welche Themen gelesen werden, und damit, welche Prompts sich für die Stichprobe lohnen. Ob eine KI den Beitrag genannt hat, zeigt auch dieses Dashboard nicht; dafür bleibt die Tabelle.

Grenzen der Messung

  • Jede Antwort ist eine Ziehung. Dieselbe Frage kann am selben Tag zwei verschiedene Firmen nennen. Eine Nennquote über 20 Prompts und drei Monate ist aussagekräftig, eine einzelne Antwort nicht.
  • Standort und Konto verzerren. Ein eingeloggtes Konto mit Verlauf und ein Standort in Ihrer Region erhöhen die Chance, dass Sie genannt werden. Das sagt nichts über Kunden in der Nachbarstadt.
  • Nennung ist nicht Auftrag. Die Quote misst Sichtbarkeit, nicht Umsatz. Nur der Abgleich mit Anfragen zeigt, ob sie etwas bringt.
  • Kein Anbieter liefert Grundwerte. Es gibt keine offiziellen Zahlen dazu, wie oft KMU in KI-Antworten vorkommen. Alles, was Sie vergleichen können, ist Ihre eigene Reihe.

Den ersten Messpunkt können Sie ohne Tabelle setzen: Der kostenlose KI-Check prüft in rund einer Minute, ob ChatGPT, Perplexity und Gemini Ihre Website finden. Die Tabelle beginnt danach.

Häufige Fragen

Warum bekomme ich bei derselben Frage an zwei Tagen verschiedene Antworten?

Sprachmodelle erzeugen Antworten bei jeder Anfrage neu, und Systeme mit Websuche greifen jedes Mal auf aktuelle Suchergebnisse zu. Deshalb schwankt, wer genannt wird. Messen Sie darum nie eine einzelne Antwort, sondern die Nennquote über 20 Prompts und mehrere Monate.

Soll ich eingeloggt oder ausgeloggt testen?

Möglichst ausgeloggt oder in einem frischen Chat ohne Verlauf. Eingeloggte Konten können frühere Gespräche und Ihren Standort berücksichtigen, was die Antwort zu Ihren Gunsten verzerrt. Für Perplexity und Gemini gilt dasselbe.

Reicht es, nur ChatGPT zu prüfen?

Für den Anfang ja, weil es das meistgenutzte System ist. Perplexity sollten Sie aber dazunehmen, weil es die Quellen jeder Antwort anzeigt und Sie dort genau sehen, welche Ihrer Seiten gelesen wurde. Gemini lohnt sich wegen der Nähe zur Google-Suche.

Was ist eine gute Nennquote?

Dafür gibt es keinen Richtwert, weil sie von Branche, Region und Wettbewerb abhängt. Vergleichen Sie Ihre Quote nur mit sich selbst über die Zeit und mit den zwei oder drei Mitbewerbern, die in denselben Antworten auftauchen.

Quellen

Marco Schulz · Gründer BlogPilot, Kreuzlingen · schreibt seit 2023 über Sichtbarkeit in Google und KI-Suche

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