Für die meisten Firmenblogs lautet die Antwort Nein: Kommentare bringen bei KMU-Blogs selten echte Rückmeldungen, aber zuverlässig Spam, Moderationsaufwand und die Verantwortung für fremde Inhalte auf der eigenen Website. Sinnvoller ist ein klarer Kontaktweg am Ende jedes Beitrags und die Diskussion dort, wo sie ohnehin stattfindet, etwa auf LinkedIn. Kommentare lohnen sich nur, wenn jemand im Betrieb sie innerhalb eines Tages liest, beantwortet und moderiert.
Die Kommentarfunktion ist bei den meisten Blogsystemen standardmässig eingeschaltet. Das ist ein Erbe aus einer Zeit, in der Blogs persönliche Tagebücher mit Stammlesern waren. Ein Firmenblog, der Kundenfragen beantwortet, funktioniert anders: Die Leser kommen über eine Suche, lesen die Antwort und rufen an oder gehen wieder. Sie diskutieren nicht unter dem Beitrag. Die Entscheidung, ob Kommentare erlaubt sein sollen, ist deshalb eine Aufwandsfrage mit klarer Tendenz.
Was Kommentare bringen können
Ehrlicherweise gibt es drei Fälle, in denen Kommentare einen Firmenblog besser machen:
- Echte Rückfragen. Ein Leser fragt unter dem Beitrag zur Wärmepumpe, ob das auch für ein Zweifamilienhaus gilt. Die Antwort ergänzt den Beitrag um einen Aspekt, den andere Leser ebenfalls suchen.
- Fachliche Ergänzungen. Ein Kollege aus der Branche weist auf eine neue Norm hin. Der Beitrag wird dadurch aktueller.
- Sichtbare Resonanz. Zwanzig inhaltliche Kommentare zeigen Lesern, dass der Beitrag gelesen und ernst genommen wird.
Alle drei Fälle setzen voraus, dass jemand antwortet. Eine unbeantwortete Rückfrage von vor acht Monaten unter einem Beitrag signalisiert das Gegenteil von Resonanz. Und alle drei Fälle sind bei KMU-Blogs selten. Wer die Kommentare seines Blogs der letzten zwölf Monate durchsieht, findet in der Regel eine Handvoll echter Beiträge und ein Vielfaches an Spam.
Was Kommentare kosten
| Kostenpunkt | Was passiert | Aufwand |
|---|---|---|
| Spam | Automatisierte Kommentare mit Links zu fremden Angeboten, täglich bis stündlich | Filter einrichten, Rest von Hand löschen |
| Moderation | Jeder Kommentar muss gelesen, freigegeben oder gelöscht werden | Täglich einige Minuten, bei grösseren Blogs mehr |
| Antworten | Rückfragen erwarten eine Antwort innerhalb eines Tages | Fachperson nötig, nicht delegierbar |
| Technik | Kommentarfunktion ist ein häufiges Einfallstor für Angriffe und muss aktuell gehalten werden | Updates, Plugins, Prüfung |
| Verantwortung | Fremde Inhalte stehen unter Ihrem Namen | Prüfung jedes Kommentars auf Rechtsverletzungen |
Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Wer Kommentare auf seiner Website veröffentlicht, veröffentlicht fremde Aussagen unter der eigenen Domain. Enthält ein Kommentar eine Beleidigung, eine falsche Tatsachenbehauptung über einen Konkurrenten oder einen Link zu rechtswidrigen Inhalten, kann der Betreiber in die Verantwortung genommen werden, zumindest zur Entfernung. Wie weit diese Verantwortung in der Schweiz im Einzelfall reicht, ist eine Rechtsfrage, die eine Fachperson beurteilen muss. Für die Praxis genügt die Folgerung: Kommentare, die niemand prüft, sind ein Risiko ohne Gegenwert.
Was Google dazu sagt
Google nennt in seinen Spam-Richtlinien ausdrücklich nutzergenerierten Spam: Kommentare, Forenbeiträge und Profile, die von Dritten mit Spam gefüllt werden. Google erwartet von Betreibern, solche Inhalte zu verhindern oder zu entfernen, und kann Seiten mit viel Spam schlechter bewerten. Ausserdem empfiehlt Google, Links in nutzergenerierten Inhalten mit dem Attribut rel="ugc" oder rel="nofollow" zu kennzeichnen, damit klar ist, dass die Website diese Links nicht empfiehlt. Die meisten Redaktionssysteme setzen das automatisch; ob Ihres das tut, lässt sich im Quelltext eines Kommentars prüfen.
Einen Hinweis darauf, dass Kommentare das Ranking verbessern, gibt es von Google nicht.
Die Alternative: Kontaktweg statt Kommentarfeld
Was ein Firmenblog von Kommentaren will, nämlich Rückfragen und Kontakt, bekommt er auf einem direkteren Weg:
- Ein Kontaktblock am Ende jedes Beitrags. «Haben Sie eine Frage zu Ihrem Fall? Schreiben Sie uns.» Mit Telefon und einem kurzen Formular. Rückfragen landen so bei der Person, die sie beantworten kann, und nicht öffentlich unter dem Beitrag.
- Die Diskussion auf LinkedIn. Wer den Beitrag dort teilt, bekommt Reaktionen dort, wo Leute ohnehin kommentieren. Die Website bleibt sauber, die Diskussion findet trotzdem statt.
- Ein FAQ-Abschnitt im Beitrag. Rückfragen, die per Mail oder Telefon kommen, werden gesammelt und als Fragen mit Antworten in den Beitrag aufgenommen. Das ist der Nutzen von Kommentaren ohne deren Kosten, und es hilft bei Google und in KI-Antworten mehr als ein Kommentarfeld.
Wann Kommentare trotzdem die richtige Wahl sind
Es gibt Betriebe, bei denen die Rechnung anders ausgeht: Berater und Coaches, deren Blog bewusst Debatten führt. Fachbetriebe mit einer Community, die sich austauscht, etwa im Modellbau oder bei Spezialwerkzeug. Branchen mit vielen Rückfragen, bei denen öffentliche Antworten Dutzende Einzelmails ersparen. In diesen Fällen gelten drei Bedingungen: Jemand liest täglich, jemand antwortet mit Namen, und ein Spamfilter mit manueller Freigabe ist aktiv. Fehlt eine Bedingung, ist das Kommentarfeld abzuschalten. Diese Entscheidung gehört zu den Grundsatzfragen, die vor dem ersten Beitrag fallen; die Übersicht dazu steht unter Firmenblog erstellen.
Datenschutz bei Kommentaren
Wer Kommentare erlaubt, speichert Name, E-Mail-Adresse und meist die IP-Adresse der Kommentierenden. Das sind Personendaten im Sinne des Schweizer Datenschutzgesetzes. Die Datenschutzerklärung muss darüber informieren, und bei Kommentardiensten von Drittanbietern kommt die Weitergabe an diese hinzu. Was das neue DSG für Blog, Statistik und Newsletter konkret heisst, fasst die Seite Datenschutz im Firmenblog zusammen. Für die eigene Situation gilt auch hier: Fachperson fragen.
Was Sie daraus machen
Schalten Sie Kommentare ab, wenn niemand im Betrieb sie täglich betreut. Ersetzen Sie das Feld durch einen Kontaktblock und sammeln Sie Rückfragen für den FAQ-Abschnitt. Wenn Sie Kommentare behalten, legen Sie fest, wer sie liest, wer antwortet und wie Spam gefiltert wird, bevor der erste Kommentar kommt.
Häufige Fragen
Helfen Kommentare beim Ranking?
Google hat Kommentare nicht als Rankingfaktor bestätigt. Echte, inhaltliche Kommentare können eine Seite um nützliche Rückfragen ergänzen, was indirekt hilft. Spam-Kommentare mit Links schaden dagegen: Google nennt nutzergenerierten Spam ausdrücklich in seinen Spam-Richtlinien und erwartet, dass Betreiber ihn verhindern oder entfernen.
Kann ich Kommentare nur für bestimmte Beiträge erlauben?
Ja, die meisten Redaktionssysteme erlauben das pro Beitrag. Das ist ein guter Mittelweg: Kommentare bei Beiträgen, die bewusst eine Diskussion anstossen, etwa eine Stellungnahme zu einer Branchenfrage, und keine bei Ratgeberbeiträgen, wo Rückfragen besser per Kontaktformular kommen.
Was mache ich mit alten Kommentaren, wenn ich die Funktion abschalte?
Lesen Sie sie einmal durch. Inhaltliche Kommentare mit echten Rückfragen lassen sich in den Beitrag einarbeiten, etwa als FAQ-Abschnitt, und dann entfernen. Spam und Belangloses löschen Sie. Eine Website mit abgeschalteten Kommentaren und zwanzig sichtbaren Spam-Einträgen von 2019 wirkt ungepflegt.
Muss ich Kommentatoren über den Datenschutz informieren?
Wer Kommentare speichert, bearbeitet Personendaten wie Name, E-Mail-Adresse und IP-Adresse. Das Schweizer Datenschutzgesetz verlangt, dass Betroffene darüber informiert werden, üblicherweise in der Datenschutzerklärung. Welche Angaben dort genau stehen müssen und wie lange Daten gespeichert werden dürfen, sollte eine Fachperson prüfen.