Soll ein Blogbeitrag ein Datum tragen?

Stand 22. Oktober 2026 · 4 Min Lesezeit · von Marco Schulz

Ja, ein Blogbeitrag sollte ein sichtbares Datum tragen, und bei überarbeiteten Beiträgen zusätzlich ein ehrliches «Aktualisiert am». Google empfiehlt eine klar erkennbare Datumsangabe und nutzt sie, um die Aktualität einer Seite einzuschätzen; KI-Assistenten, die live im Web suchen, bevorzugen ebenfalls erkennbar aktuelle Quellen. Das Datum zu entfernen, um einen alten Beitrag jünger wirken zu lassen, kostet Vertrauen bei Lesern und bringt bei Google nichts.

Viele Betriebe entfernen das Datum aus ihrem Blog, weil sie fürchten, dass alte Beiträge abschreckend wirken. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Beitrag ohne Datum wirkt, als wolle jemand etwas verbergen, und genau das vermuten Leser dann auch. Die bessere Lösung ist ein Datum, das stimmt, plus eine Pflege, die es ehrlich aktuell hält.

Was Google zu Datumsangaben sagt

Google beschreibt in seiner Dokumentation, wie es das Datum einer Seite bestimmt und welche Angaben es dafür heranzieht. Die wichtigsten Punkte, zusammengefasst:

  • Das Datum soll auf der Seite sichtbar sein, an einer Stelle, die eindeutig zum Inhalt gehört, etwa unter dem Titel.
  • Zusätzlich kann es in strukturierten Daten stehen, als datePublished und dateModified nach schema.org. Beide Angaben sollen übereinstimmen mit dem, was auf der Seite sichtbar ist.
  • Bei wesentlichen Änderungen darf und soll das Aktualisierungsdatum gesetzt werden. Google rät aber davon ab, Datumsangaben künstlich zu erneuern, ohne dass sich der Inhalt wesentlich geändert hat.
  • Google verwendet mehrere Faktoren, um das Datum zu bestimmen, nicht nur eine Angabe. Widersprüchliche Angaben auf derselben Seite machen die Einschätzung unzuverlässig.

Das heisst in der Praxis: Ein sichtbares Veröffentlichungsdatum, ein sichtbares Aktualisierungsdatum bei Überarbeitungen, und beide auch im Quellcode, aber ohne Widerspruch.

Warum das Datum bei Google wirkt

Google zeigt in den Suchergebnissen bei vielen Beiträgen ein Datum an. Für Suchende ist das ein Entscheidungskriterium, bevor sie klicken: Bei der Frage «Wärmepumpe Förderung Thurgau» wählt kaum jemand das Ergebnis von 2022, wenn daneben eines von 2026 steht. Ein fehlendes Datum führt nicht dazu, dass Google den Beitrag als neu einstuft; es führt dazu, dass Google das Datum aus anderen Signalen schätzt, etwa aus dem ersten Crawl oder aus Datumsangaben im Text. Das Ergebnis ist dann oft ungenauer als die eigene Angabe.

Für zeitkritische Suchen berücksichtigt Google die Aktualität stärker als für zeitlose. Ein Beitrag über Steuerfristen braucht ein aktuelles Datum, weil die Suche nach aktuellen Informationen verlangt. Ein Beitrag über die Pflege von Massivholz braucht es nicht, aber er sollte trotzdem eines tragen, damit Leser einordnen können, wie alt die Empfehlung ist.

Warum das Datum in KI-Antworten wirkt

KI-Assistenten wie ChatGPT mit Websuche oder Perplexity holen sich Quellen live aus dem Web und zeigen sie mit Angaben zur Quelle an. Nach eigener Beobachtung werden bei Fragen mit Zeitbezug Quellen bevorzugt, deren Datum erkennbar ist und die nicht veraltet wirken. Belegt ist das von den Anbietern nicht in Form einer Regel. Was sich sagen lässt: Eine Seite ohne Datum gibt dem System keinen Anhaltspunkt, ob die Information noch gilt, und eine Seite mit erkennbar altem Datum und ohne Aktualisierungshinweis signalisiert, dass niemand sie pflegt. Beides spricht nicht für die Quelle.

«Aktualisiert am» ehrlich einsetzen

Das Aktualisierungsdatum ist nur so viel wert wie die Änderung dahinter. Drei Beispiele:

ÄnderungDatum setzen?Begründung
Tippfehler korrigiert, Bild ausgetauschtNeinFür Leser hat sich nichts geändert
Preisbeispiel auf den Stand 2026 gebracht, einen Abschnitt zur neuen Förderregelung ergänztJaDie Antwort ist eine andere als vorher
Ganzer Beitrag überarbeitet, Struktur neu, Empfehlung geändertJaWesentliche Änderung

Wer «Aktualisiert am» setzt, sollte im Beitrag auch zeigen, was sich geändert hat, etwa mit einem kurzen Hinweis am Anfang: «Stand Oktober 2026: Preisbeispiele und Förderangaben aktualisiert.» Das macht die Angabe glaubwürdig und erspart Lesern die Frage, ob sich das erneute Lesen lohnt. Wann sich eine Überarbeitung lohnt und wie man sie angeht, steht unter Alte Blogbeiträge aktualisieren.

Wann ein Datum Lesern wirklich schadet

Es gibt einen Fall, in dem das Datum tatsächlich abschreckt: wenn der Beitrag veraltet ist und das Datum das verrät. Die Lösung ist dann nicht, das Datum zu verstecken, sondern den Beitrag zu überarbeiten oder, wenn er nicht mehr stimmt, zu löschen und auf einen aktuellen weiterzuleiten. Ein Blog mit 40 Beiträgen, von denen 30 aus dem Jahr 2021 stammen und nie aktualisiert wurden, hat kein Datumsproblem. Er hat ein Pflegeproblem.

Beiträge, die dauerhaft gelten, lassen sich bewusst so anlegen. Was solche Evergreen-Inhalte auszeichnet und wie sie gepflegt werden, zeigt der Glossareintrag.

Was Sie daraus machen

Zeigen Sie bei jedem Beitrag das Veröffentlichungsdatum unter dem Titel. Setzen Sie bei wesentlichen Überarbeitungen ein Aktualisierungsdatum und nennen Sie, was sich geändert hat. Prüfen Sie einmal im Jahr die Beiträge mit dem ältesten Datum: aktualisieren, zusammenlegen oder weiterleiten. Dann ist das Datum kein Risiko, sondern ein Vertrauenssignal.

Häufige Fragen

Schadet ein altes Datum dem Ranking?

Nicht direkt. Google bewertet, ob der Inhalt die Frage beantwortet, und berücksichtigt Aktualität nur dort, wo sie für die Suche relevant ist, etwa bei Preisen, Gesetzen oder Technik. Ein Beitrag von 2023 über die Pflege eines Eichenparketts ist nicht veraltet. Ein Beitrag von 2023 über Förderbeiträge für Wärmepumpen vermutlich schon, und das merken Leser, nicht nur Google.

Darf ich das Datum ändern, wenn ich nur einen Tippfehler korrigiere?

Besser nicht. Google rät ausdrücklich davon ab, Datumsangaben ohne wesentliche Änderung zu erneuern. Ein «Aktualisiert am» ist dann angebracht, wenn Zahlen, Empfehlungen oder Abschnitte überarbeitet wurden. Wer bei jeder Kleinigkeit das Datum setzt, entwertet die Angabe für Leser und läuft Gefahr, dass Google die Angabe ignoriert.

Soll das Datum oben oder unten am Beitrag stehen?

Oben, in der Nähe des Titels, wo Leser es erwarten. Google empfiehlt, das Datum sichtbar und eindeutig zu platzieren, damit es dem Inhalt zugeordnet werden kann. Ein Datum, das nur im Quellcode steht oder irgendwo in der Fusszeile, hilft weder Lesern noch der Suchmaschine.

Was ist mit zeitlosen Beiträgen?

Auch sie tragen ein Datum. Zeitlos heisst, dass der Inhalt lange gültig bleibt, nicht, dass sein Alter geheim sein muss. Wer alle zwölf bis achtzehn Monate prüft, ob der Beitrag noch stimmt, und bei Bedarf ein «Aktualisiert am» setzt, zeigt Lesern, dass sich jemand kümmert. Das wirkt stärker als ein fehlendes Datum.

Quellen

Marco Schulz · Gründer BlogPilot, Kreuzlingen · schreibt seit 2023 über Sichtbarkeit in Google und KI-Suche

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